Wirksamkeit der medizinischen Hypnose

Zwei interessante Beiträge sind gerade zur Wirksamkeit der medizinischen Hypnose erschienen.

Eine Übersichtsarbeit zu Metaanalysen im Deutschen Ärzteblatt hat die Evidenz und den Nutzen der medizinischen Hypnose zum Inhalt und kommt zur Schlussfolgerung: „Die medizinische Hypnose ist eine wirksame und sichere komplementäre Methode bei medizinischen Eingriffen und Reizdarmbeschwerden. Wachsuggestionen können Bestandteil einer effektiven Kommunikation mit Patienten in klinischen Alltagssituationen sein.“ Link: http://www.aerzteblatt.de/archiv/177656 .

Ein aktueller Artikel in der Süddeutschen Zeitung befasst sich mit der medizinischen Hypnose im Kontext von Schmerzen und Operationen. Link: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/hypnose-trance-als-therapie-1.2992515

Was ist medizinische Hypnose?

von Michael Teut

Bei der medizinischen Hypnose (Hypnotherapie) wird durch spezielle Konzentrations- und Entspannungsübungen (Trance-Induktionen) einen veränderter Bewusstseinszustand mit stark fokussierter Aufmerksamkeit (Trance) erreicht.  Dieser Bewusstseinszustand ist bei den meisten Menschen gekennzeichnet durch fokussierte innere Aufmerksamkeit bei äußerlich körperlicher Entspannung.

Ein Trancezustand wird induziert, indem der Patient durch Übungen angeleitet wird, seine Aufmerksamkeit nach innen zu richten, je tiefer dabei die Trance voranschreitet, desto intensiver werden Gefühle, imaginierte Sinnesempfindungen und innere Bilder subjektiv erlebt, während Reize von außen und Störungen immer weniger wahrgenommen werden.

Die moderne Hypnose, die konzeptuell auf den amerikanischen Psychiater Milton Erickson zurückgeht, nutzt den Zustand der Trance um durch Hypnotherapie konstruktiv und zielorientiert Lösungen für Schwierigkeiten zu finden, ein neues Verständnis zu Grunde liegender Fragen zu entwickeln und insbesondere auch Ressourcen (innere oder äußere Quellen der Kraft oder Unterstützung) zu aktivieren. .  Dabei handelt es sich um einen mehrschichtigen kreativen Prozess, der zwischen dem Therapeuten und dem Patienten oder Klienten stattfindet, die therapeutische Beziehung und die soziale Interaktion sind dabei wichtige Bedingungen.

Der physiologische Zustand der Trance ist besonders und unterscheidet sich vom Wach- als auch Schlafzustand: In EEG und MRT-Untersuchungen zeigen sich vor allem Veränderungen im frontalen Kortex und im anterioren cingulären Kortex, sowie entsprechend der Suggestionen auch in anderen Hirnarealen. Dies ist vermutlich ein Ausdruck einer Änderungen der somatischen, autonomen und emotionalen Informationsverarbeitung unter Hypnose.

Wichtig ist, dass Trance-Phänomene nichts außergewöhnliches sind: Alle Menschen kennen Trance-Zustände (z.B. Tagträumen, rhythmisches Tanzen etc.). Trance ist in allen Kulturen der Welt therapeutisch genutzt worden. Was die Kunst der modernen Hypnose ausmacht, ist es, die Trance therapeutisch lösungsorientiert zu nutzen. Die Trance wird dabei meist bewusst erlebt und erinnert: Die aktive Ausgestaltung der Trance durch den Patienten unter Anleitung des Therapeuten ist wichtig, um gute Therapieergebnisse zu erzielen.

Gut belegt durch wissenschaftliche Studien ist die Wirksamkeit der Hypnose in der Schmerztherapie und in der Begleitung von medizinischen Eingriffen (Operationen, Biopsien). Positive Studien liegen für viele weitere Indikationen vor, z.B. Ängste, Nebenwirkungen von Chemotherapien, Reizdarmsyndrom, Geburtsvorbereitung, Schlafstörungen, und Verhaltensänderungen bei Gewohnheiten oder Süchten (z.B. Rauchentwöhnung, Gewichtsreduktion).

Nicht geeignet ist Hypnose insbesondere, wenn eine akute Psychose vorliegt.

Hypnose eignet sich auch nicht zur Wahrheitsfindung: Das Erleben in Trance ist sehr subjektiv,  Erinnerung mischt sich dabei mit einem Neu-Konstruieren zur erlebten aktuellen Wirklichkeit, was therapeutisch gut genutzt werden kann, aber keine objektive Rekonstruktion des Vergangenen ermöglicht.

Grundsätzlich unterscheidet sich die medizinische Hypnose von der Show-Hypnose, bei der es um das demonstrieren spektakulärer Effekte geht und die Teilnehmer häufig entwürdigt und scheinbar „willenlos“ gemacht werden. Die medizinische Hypnose beruht dagegen auf einem grundsätzlich anderen Konzept, das auf Vertrauen, Unterstützung, konstruktiver Zusammenarbeit, Ressourcenaktivierung und Freiwilligkeit basiert.

Eine Hypnosesitzung dauert, je nach Anliegen, zwischen 30 und 120 Minuten. Im Allgemeinen ist die medizinische Hypnose eher eine Kurzzeittherapie, je nach Anliegen des Patienten können wenige, manchmal jedoch auch viele Stunden nötig sein, um das Therapieziel zu erreichen.

Ausgewählte wissenschaftliche Referenzen zur Hypnose:

Medizinische Hypnose bei Krebserkrankungen

Die medizinische Hypnose ist als Begleittherapie bei Krebserkrankungen, zum Beispiel um medikamentöse Nebenwirkungen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern, wissenschaftlich erforscht und ist eine sinnvolle Begleittherapie.

In diesem Artikel, der in der Zeitschrift Suggestionen 2015 erschienen ist, habe ich den wissenschaftlichen Forschungsstand zusammengefasst:

Download des Artikels (1MB, pdf): 1511_Suggestionen_DGH

„Homöopathische Schülerfibel“ im Buchhandel erhältlich

KVC_Verlag_Schuelerfibel_neu_0Nach vielen Jahren Exklusiv-Verkauf nur für die Mitglieder des Vereins Natur und Medizin e.V. ist nun der Ratgeber „Homöopathische Schülerfibel“ von Dr. Christian Lucae und mir auch im Buchhandel erhältlich.

Er folgt auf die „Homöopathische Sandkastenfibel“ und enthält Tipps und Tricks zur homöopathischen und naturheilkundlichen Selbstbehandlung von Schulkindern bei leichten Erkrankungen.

Der KVC-Verlag hat mit den tollen Comics von Stefanie Clemen und dem spritzigen Design von eye-d-design ein wunderbares Buch gestaltet – wir freuen uns!

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2. Summerschool Medizinische Hypnose an der Charité

Die 2. Summerschool Medizinische Hypnose der Deutschen Gesellschaft für Hypnose gemeinsam mit dem Institut für Sozialmedizin der  Charité in Berlin war erneut ein großer Erfolg!  P1050370Der Kurs vertiefte die Kenntnisse von 32 Studenten der Human- und Zahnmedizin sowie der Psychologie, die bereits letztes Jahr mit dabei waren.
Bei Temperaturen über 35° gaben Referenten und Teilnehmer am 04. und 05.07.2015 ihr Bestes: Die Teilnehmer lernten mehr zur Hypnotherapie in der Immunologie (Harald Krutiak), bei Ängsten, psychosomatischen Störungen und Psycho-Trauma (Karl-Josef Sittig), bei Schmerzen (Michael Teut) und zur Selbsthypnose (Werner Eberwein).

Naturheilkunde-Ratgeber für die Pflege zum Download

Michael Teut

Etwa die Hälfte aller Senioren in Berlin und Brandenburg wenden naturheilkundliche Therapien an, wie wir in einer großen Umfrage-Studie herausgefunden haben (Link), viele Senioren wünschen sich mehr Naturheilkunde und weniger konventionelle Medikamente. Eine Ursache dafür ist, dass Senioren in ihrer Kindheit noch die Medizin mit wenigen Medikamenten aber viel Selbsthilfe von ihren Eltern  kennengelernt haben, und diese Tradition gerne weiter führen (mehr dazu: in einer weiteren Studie).

Viele naturheilkundliche Selbsthilfestrategien kann man sehr gut in die Pflege einbauen: Das macht Pflegekräften Freude und den Patienten tut es gut. Vor allem Kneipp Therapien erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit im Pflegeheim, wie wir in einer weiteren Studie festgestellt haben (Factsheet, Publikation)

Um Angehörige und Pflegekräfte zu unterstützen, haben wir nun gemeinsam mit dem Zentrum für Qualität in der Pflege einen kostenfreien Ratgeber verfasst, den Sie hier downloaden können.

Vegane Ernährung als Medizin

Michael Teut

Eine zunehmende Anzahl an Studien zeigt die präventiven und therapeutischen Vorteile einer veganen fettarmen Ernährung, die auf pflanzlicher Kost basiert und frei von Fleisch, Milch und Eiern ist. Vegane Ernährung wurde bis vor einigen Jahren von den meisten Ärzten noch als Außenseiter-Ernährung belächelt, seit jedoch das öffentliche Interesse an veganer und vegetarischer Ernährung steigt, werden auch mehr Studien durchgeführt, die den gesundheitlichen Nutzen untersuchen. Dabei haben bisherige klinische Studien beachtenswerte Ergebnisse gezeigt: Mit einer konsequenten fettarmen veganen Ernährung lassen sich Erkrankungen, die zum metabolischen Syndrom gehören, klinisch deutlich verbessern, in einer Vielzahl von Fällen sogar zurückbilden. Bislang durchgeführte Studien zeigen klinisch relevante Ergebnisse für Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht, Typ 2-Diabetes und koronare Herzkrankheit. Zudem erscheint der gesundheitliche Nutzen auch für andere chronische Erkrankungen plausibel. Im Folgenden fasse ich einige der allerwichtigsten Studienergebnisse zusammen:

Vegane Ernährung im Betrieb

In einer aktuelle Studie (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3701293/) mit 291 Teilnehmern, die zum US-Unternehmen GEICO gehörten und an Übergewicht und Diabetes litten, wurden mehrere Betriebs-Standorte zufällig einer fettarmen vegetarischen Ernährungsschulung oder einer Kontrollgruppe ohne zusätzliche Ernährungsschulung zugeordnet (Cluster-Randomisation). An den Betriebsstandorten, die der veganen Ernährung zugeordent wurden, wurden in den Kantinen optional vegane Mahlzeiten angeboten. Außerdem erhileten die Teilnehmer Vitamin B12 Supplemente. Teilnehmer, die die Schulung zur veganen Ernährungsumstellung erhielten, hatten nach 18 Wochen 2,9 kg abgenommen (Kontrollgruppe 0,06 kg), hatten ihren Gesamt-Cholesterinwert um 8,0 mg/dl gesenkt (Kontrollgruppe 0,01) und ihren HBA1C-Wert (Blutzucker) um Prozentpunkte gesenkt (Kontrollgruppe 0,08). Viel interessanter ist, dass diejenigen Patienten, die sich bis zum Ende der Studie vegan ernährten, einen viel höheren Benefit hatten: Sie verminderten ihr Körpergewicht um -4,3 kg, ihr Cholesterin um 13,7 mg/dl und ihren HBA1C-Wert um 0,7 Prozentpunkte. Daraus kann geschlossen werden, dass eine vegane Ernährungsschulung + Angebot im Betrieb den gesundheiltlichen Zustand der Arbeitnehmer klar verbessert.

Vegane Ernährung besser als Leitlinien-Ernährung bei Diabetes

In einer weiteren Studie von 2009 (http://ajcn.nutrition.org/content/89/5/1588S.long) wurde untersucht, ob fettarme vegane Ernährung in der Therapie von Menschen mit Diabetes Typ 2 der damals gültigen Ernährungsempfehlung (USA 2003) überlegen ist. 99 Patienten wurden per Zufall einer Schulung in veganer Ernährung oder der konventionellen Diabetes-Leitlinien-Diät-Empfehlung zugeordnet, es wurden je Gruppe 22 wöchentliche 1-stündige Ernährungsschulungen durchgeführt. In beiden Gruppen wurde nach 74 Wochen eine deutliche Gewichtsreduktion (vegan: -4,4 kg versus konventionell: 3,0 kg) sowie eine klare HBA1C-Verminderung (vegan: – 0,34 Prozentpunkte versus konventionell: 0,14). Das Gesamtcholesterin sank ebenfalls stärker in der veganen Gruppe. Diese Studie führte dazu, dass die US-amerikanischen Ernährungsempfehlungen für Diabetiker mittlerweile vegane Kost empfehlen.

Koronare Herzkrankheit

Dean Ornish zeigte in den 1990er Jahren mit seinem Lifestyle-Heart-Trial (http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=188274) , dass sich koronare Herzkrankheit durch fettarme vegetarische Ernährung, Ausdauersport, Stressreduktion, Rauchentwöhnung und psychosozialer Unterstützung stoppen oder sogar zurückbilden lässt. In einer weniger bekannten prospektiven Beobachtungsstudie von 1995 (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7500065 ) wurden 22 Patienten mit schwerer koronarer Herzkrankheit eingeschlossen, die sich strikt fettarm vegan ernährten. Bei den 11 Patienten, die das Programm bis zu Ende durchführten und deren Daten erhoben werden konnten, zeigte sich eine sehr deutliche Verminderung der Cholesterinwerte und ein deutlicher Rückgang der koronaren Verengungen. Leider wurde dieser vielversprechende Ansatz bislang nicht in großen randomisierten Studien überprüft.

Weitere gesundheitliche Vorteile

In den großen Adventisten-Kohortenstudien in Amerika (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4073139/ ) zeigte sich, dass Menschen, die sich vegan ernähren gegenüber Menschen, die einer vegetarischen Ernährung folgen, noch einmal deutlich weniger häufig an Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck und kardiovakulären Erkrankungen leiden. Allerdings kann aus Kohortenstudien keine Kausalität abgeleitet werden.

Vegetarische Diäten sind außerdem in der Lage, Bluthochdruck zu senken, allerdings ist hier noch unklar, ob vegane Ernährung zusätzliche Vorteile gegenüber vegetarischer Kost bringt (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24566947).

Die Risiken veganer Ernährung

Bei ausgewogener veganer Ernährung besteht das größte Risiko in einem Vitamin-B12-Mangel. Daher sollten Menschen, die sich langfristig vegan ernähren, eine Vitamin-B12-Präparat einnehmen. Die Versorgung mit Vitamin B12 und Eisen sollte von Zeit zu Zeit (z.B. einmal jährlich) durch eine Blutuntersuchung überprüft werden. Alle anderen Nährstoffe (z.B. Vitamin D, Calcium, Jod) lassen sich in aller Regel durch ausgewogene Ernährung abdecken.

Praktische Literaturtipps

Neal D. Barnard: The Get Healthy, Go Vegan Cookbook: 125 Easy and Delicious Recipes to Jump-Start Weight Loss and Help You Feel Great, 2010: Da Capo LifelongBooks

Neal D. Barnard: Dr. Neal Barnard’s Program for Reversing Diabetes , 2007: Rodale

Neal D. Barnard: 21-Day Weight Loss Kickstart: Boost Metabolism, Lower Cholesterol, and Dramatically Improve Your Health, 2011: Hachette Book Group

Caldwell Esselstyn: Prevent and Reverse Heart Disease. 2007: Avery


Summerschool Medizinische Hypnose: Ein Riesen-Erfolg!

P1040828Vom 04.-10.8.2014 fand die 4-tägige Summerschool Medizinische Hypnose an der Berliner Universitätsmedizin Charité im Hörsaalgebäude des Virchow Klinikums statt.

Aufgrund der ausgesprochen starken Nachfrage wurde kurz vorher die Teilnehmerzahl noch einmal auf 80 Plätze erhöht. Den allergrößten Anteil der Teilnehmer stellten Studenten der Psychologie und Humanmedizin, zudem nahmen Ärzte, Dipl.-Psychologen, Psychologische Psychotherapeuten und Zahnmediziner teil.

Das Programm bestand aus einem zweitägigen wissenschaftlichen und theoretischen Rahmenprogramm und zwei Tagen mit Workshops und Selbsterfahrung in Kleingruppen. Die meisten Studenten machten auf der Summerschool erstmals Erfahrungen mit therapeutischer Hypnose.

Die Begeisterung und Zufriedenheit der Teilnehmer und des Dozenten-Teams der DGH war sehr hoch. Eine Fortsetzung ist geplant.

Die Summerschool Medizinische Hypnose wurde erstmalig von der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie (DGH) und dem Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité Universitätsmedizin Berlin angeboten.

http://www.dgh-hypnose.de/images/upload/file/flyer-summer-school.pdf

https://de-de.facebook.com/events/658832400819313/

Körpertambura – Musiktherapie im Hospiz

Michael Teut

In einer kleinen qualitativen Pilot-Studie haben wir untersucht, welche Therapieerfahrungen palliativ versorgte Patienten im Hospiz mit einer rezeptiven Musiktherapie beschreiben. Elf Personen wurden behandelt und danach in Interviews befragt, darunter drei Angehörige. Alle Patienten litten unter metastasiertem Tumorerkrankungen und wurden palliativ behandelt.

Die Bodytambura ist ein neuartiges Musikinstrument, das einen homogenen Klangteppich erzeugt und aus der Distanz oder auf dem Körper gespielt werden kann. Die Interviews wurden transkribiert und mit einem Grounded Theory Ansatz analysiert.

Die Patienten beschrieben folgende Erfahrungen: Am stärksten und häufigsten wurde ein starkes Gefühl der Ruhe beschrieben, das erlebt wurde. Zudem beschrieben die Patienten angenehme Körperempfindungen, z.B. Leichtigkeit und imaginierten schöne und entspannende Bilder beim Zuhören. Teilnehmende Angehörige und Patienten fühlten sich durch das Erlebnis der Musik mehr verbunden.

Diese Ergebnisse sollen helfen, Zielparameter für eine weitere größere Studie zu definieren. Nach Abschluss der Studie führen Pflegekräfte des Lazarus-Hospiz in Berlin die Therapie eigenständig fort.

Links:
Publikation
Körpertambura
Körpertambura-Kurse für Interessierte
Lazarus-Hospiz

60 % der Senioren nutzen Komplementärmedizin

Michael Teut

In einem Survey hat unsere Arbeitsgruppe die Inanspruchnahme von Komplementärmedizin (CAM) durch Senioren in Berlin und Brandenburg erfasst. Dazu wurden erstmalig auch Senioren mit gesetzlicher Betreuung einbezogen. Es wurden Daten von Senioren im Alter von 70 Jahren und älter durch einen Fragebogen erfragt oder aus der Pflegedokumentation erhoben. Dabei wurden drei mögliche Bereiche der Wohnsituation von Senioren berücksichtigt: selbständig, ambulant betreut und Senioreneinrichtung. Unter Anwendung standardisierter Fragebögen wurden soziodemographische Daten, die Nutzung von CAM und nichtmedikamentöse Therapien (CAM-Therapien), zugrunde liegende Diagnosen und Bezugsquellen erhoben. Die nicht betreuten Senioren  gaben zudem Auskunft über ihre Erwartung an die verwendeten CAM, die empfundene Wirksamkeit, Einschätzung der Nebenwirkungen und Information des Arztes über die Anwendung von CAM.

Über 800 Fragebögen wurden ausgegeben und 400 Senioren antworteten (Rücklauf: 51.7 %).  Die Senioren stammten aus gleichen Anteilen aus den Bundesländern Berlin und Brandenburg. Sie gehörten drei Subgruppen „selbständig lebend“ (n=154), „ambulant betreut“ (n=97) und „in einer Senioreneinrichtung“ lebend (n=149) an. Das Durchschnittsalter betrug 81.8 Jahre (SD=7.4). Drei Viertel (78.5%) waren weibliche Teilnehmer.

61.3% der Senioren nutzten mindestens ein CAM. Insgesamt verwendeten sie vorwiegend Nahrungsergänzungsmittel (35.5 %), Pflanzenheilkunde (33.3%) und naturheilkundliche Externa wie z.B. Salbe und Öle (26.8%). Die Senioren mit gesetzlicher Betreuung nutzten ausschließlich ärztlich verordnete Nahrungsergänzungsmittel, am häufigsten Calcium und Vitamin D. Von der Einnahme erwarteten die CAM Nutzer eine deutliche (44.9%) oder milde (37.1%) Verbesserung ihrer Beschwerden. Über die Hälfte der Nutzer (58.7%) beschrieb eine gute und 6% keine Wirkung von CAM. Es wurden überwiegend Herz-Kreislauf-Erkrankungen (26.8%), chronische Schmerzen (24.5%) und Magen-Darm-Erkrankungen (14.0%) als Grund für die CAM Nutzung angegeben.

Nur ein Viertel (25.8%) wurde ärztlich verschrieben, die restliche Einnahme erfolgte auf Empfehlung (31.3%) oder aus Eigeninitiative (27.3%).  57.9 % gaben an, Risiken und Nebenwirkungen der Präparate nicht einschätzen zu können. Die Mehrheit (64.9%) der Befragten würde eine Kombination aus CAM und konventioneller Medizin für ihre Behandlung bevorzugen.

Die Nutzung von Komplementärmedizin durch Senioren ist hoch. Die meisten naturheilkundlichen Präparate werden ohne Information des Hausarztes eingenommen.

Publikation: http://www.biomedcentral.com/1471-2318/14/38